Starlink: (R)Evolution des Internets?

von | 27. Januar 2022 | Gemischtes

Bildquelle: satellitemap.space

Man kann von Elon Musk und seinen Unternehmen halten, was man will: Es lässt sich nicht leugnen, dass Firmen wie PayPal, Tesla und SpaceX zu gewaltigen Entwicklungsschüben in ihren Branchen geführt haben.

Seit knapp einem Jahr ist nun auch das neueste Projekt in Deutschland verfügbar, welches die Internetnutzung verändern soll: Starlink, betrieben von Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX. Was genau steckt dahinter und wie funktioniert dieses Konzept?

Was ist Starlink?

Starlink soll zukünftig weltweiten Internetzugang für den Endnutzer zur Verfügung stellen. Dabei setzt SpaceX nicht auf die standardmäßig verwendete (Glasfaser-)Kabeltechnik, sondern geht hoch hinaus: Tausende Satelliten in der Erdumlaufbahn sollen für Internet überall auf der Erde sorgen. Auf der eigenen Website ist aktuell von 100-200 Mbit/s Datenrate und 20 ms Latenz die Rede, jedoch sind örtlich bereits höhere Werte abrufbar. Außerdem soll die Datenrate mit zunehmenden Satellitenanzahl zukünftig bis auf 1 GBit/s gesteigert werden. Ermöglicht wird das durch die niedrige Erdumlaufbahn der Satelliten in ca. 300-600 km Höhe.

Schon jetzt in der Anfangsphase ist SpaceX mit knapp 1800 Satelliten der größte Satellitenbetreiber der Welt – und das ist nur der Anfang. So soll nach und nach ein flächendeckendes Netz aufgebaut werden, dessen Satelliten untereinander in Zukunft per Laser über mehrere Umlaufebenen kommunizieren und so für konstante Verbindungen sorgen.

Anfangs stand das Projekt wegen der vielen auffällig reflektierenden Satelliten in der Kritik; man sah die Satelliten in regelrechten Ketten über den Nachthimmel wandern. Mittlerweile hat SpaceX jedoch reagiert und die neueren Satelliten mit einem Reflexionsschutz versehen

Natürlich ist auch Starlink nicht der erste Anbieter von mobilem Internet aus dem All, jedoch definitiv der mit dem besten Angebot. Konkurrenten wie skyDSL bieten zwar günstigere Preise, kommen aber häufig mit einer begrenzten Datenmenge, geringerer Geschwindigkeit und sehr hoher Latenz (aufgrund viel höher fliegender Satelliten) daher.

Wie funktioniert Starlink?

Derzeit stellen 2 zentrale Bodenstationen in Deutschland die Verbindung zu deutschen Kunden her, später soll die Verbindung unter den Satelliten per Laserlink erfolgen. Gerade bei weiten Entfernungen kommt es dadurch zu kürzeren Signallaufzeiten, da sich die Laserstrahlen im luftleeren Raum sehr schnell ausbreiten können. Auf der Erde erfolgt die Übertragung im Glasfaserkabel eher in Zickzackverlauf (Reflexion an der Glasfaserwand) – dadurch werden die Wege massiv verlängert und die Signallaufzeit erhöht.

Hier sieht man einige Starlink-Satelliten über Deutschland, sowie die beiden Bodenstationen.
Bildquelle: satellitemap.space

Im Endausbau werden die Datenpakete auch zu entsprechenden Bodenstationen geleitet. Wenn man also in Berlin sitzt und eine Webseite aufruft, die in New York gehostet wird, werden die Daten in Deutschland zum Satelliten geschickt und in der Nähe von New York wieder den Boden erreichen.

Damit Endverbraucher das Internet aus dem All empfangen können, ist eine Empfangsstation notwendig. Diese besteht aus einer motorisierten, sich selbst ausrichtenden Antenne in Verbindung mit einem Router inklusive Verkabelung. Die Station und die Internetverbindung können innerhalb von Minuten eingerichtet und anschließend per App überwacht werden. Dabei sollte auf einen möglichst freien Blick zum Himmel geachtet werden, damit die Verbindungsgeschwindigkeit nicht leidet. Falls die dafür benötigte Fläche nicht verfügbar ist (z.B. in Apartments oder Hinterhöfen), kann man das System auch mit Dach- oder Wandhalterungen installieren. Danach ist das System nutzbar und quasi wartungsfrei – im Winter erwärmt sich die Schüssel z.B. selbst, um Schnee zu entfernen.

Wenn Sie sich mal anschauen wollen, wie die Starlink-Satelliten live um die Erde kreisen, können Sie das hier tun:

Anwendungsmöglichkeiten + Preis

Jetzt kommt der für viele nicht unwichtige Teil: Die (laufenden) Kosten. Für das Hardware-Set mit Antenne, Standfuß, Router und Netzteil werden 499€ fällig. Die monatlichen Kosten für den Internetzugang belaufen sich momentan auf 99€ pro Monat, was sich vorerst auch nicht ändern soll. Auch wenn hierzulande geläufige Tarife für 100-1000 MBit/s auf ca. 40-80€ pro Monat kommen, gibt es Vorteile von Starlink, die diesen Preis gegenüber diesen definitiv rechtfertigen:

Vor allem in strukturschwachen Regionen kann Starlink eine tolle Alternative zum (nicht) vorhandenen Angebot stellen. Auch bei uns in Deutschland gibt es noch immer weiße Flecken, die zurzeit nicht einmal 50 MBit/s erreichen und deren Bewohner auch in naher Zukunft nicht damit rechnen können. Hiesige Netzbetreiber entscheiden selbst, wo ausgebaut wird und lassen abgelegene Siedlungen oder potenziell unrentable Gebiete außen vor. Deswegen soll Starlink auch in erster Linie nicht mit DSL und Glasfaser konkurrieren oder sie ersetzen, sondern bei der Erschließung abgeschotteter Gebiete helfen.

Auch in Krisengebieten wie den Überschwemmungen im Ahrtal 2021 hat sich Starlink bewährt. Hier konnte trotz ausgefallenem Internet mit Starlink eine provisorische Internetverbindung ermöglicht werden.

Ein weiterer Vorteil, der zukünftig verfügbar sein soll: Starlink soll später vollständig mobil einsetzbar sein. Das heißt, wenn man die Antenne unterwegs mitnimmt, kann man genauso schnell und bequem surfen, als wäre man zu Hause. Vor allem für Camper, Trucker und Schiffe wäre das ein tolles Feature. Jedoch fehlen hier laut Musk vorerst noch einige Satelliten, um das zu erreichen.

Fazit

Starlink bietet eine attraktive Alternative der Internetnutzung für Menschen, die von den herkömmlichen Netzbetreibern im Stich gelassen wurden und in absehbarer Zeit nicht am Gigabit-Anschluss teilhaben können. Dazu kommt, dass diese weltumspannende Internet unabhängig von Ländergrenzen funktioniert und von Naturkatastrophen wie Erdbeben und Überschwemmungen nicht beeinflusst wird.

Wenn das Angebot in Zukunft ausgeweitet wird, richtet sich Starlink auch an Menschen, die häufig unterwegs sind und nicht auf eine vollwertige Internetverbindung verzichten wollen. Die Verbindungsqualität steht der von normalem DSL in nichts nach und wird in naher Zukunft Glasfaserniveau erreichen.

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